Mediation

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Mediation - Ein Weg zur Streitschlichtung

Der Begriff  "Mediation" kommt aus dem Englischen und kann als "Vermittlung" übersetzt werden. Im Prinzip ist die Idee der Mediation, nämlich die Vermittlung zwischen zwei Streitparteien durch eine unparteiische Person sehr alt.
In Afrika gab es seit jeher das sogenannte "Palaver", bei dem die Streithähne solange diskutieren und verhandeln mussten, bis eine Lösung gefunden ist. In Europa waren historische Formen das germanische "Thing" oder der mittelalterliche "Love-day" in England.
Das vielleicht beste Beispiel in Deutschland ist der Westfälische Frieden, der den 30. jährigen Krieg im Jahre 1648 beendete. An den Vertragsverhandlungen die sich immerhin fünf Jahre hinschleppten waren 148 Gesandte beteiligt. Neutrale Vermittler waren damals der Nuntius des Papstes und der Botschafter der Republik Venedig, Aloisius Contareno.
Dieser führende Diplomat der Venezianer wurde in einem zeitgenössischen Bild - und hier taucht der Begriff zum ersten Mal auf - als "Mediator" bezeichnet.

Mediation wie wir sie heute kennen wurde vor allem in den USA weiterentwickelt. Bei den schwierigen internationalen Verhandlungen in den späten 60iger und Anfang der 70iger Jahre der USA, - z.B. die Camp  David Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Arabischen Staaten - erkannte man, daß Strategien zur Lösung von Konflikten durchaus systematisch analysiert und zur Lösung anderer Konflikte verwendet werden konnten. Die amerikanischen Autoren Fisher und Ury entwickelten das sogenannte "Havard-Konzept", das heute als Grundlage der modernen Streitbeilegung und allgemein jeglichen Konfliktmanagements gilt.
Fisher und Ury fanden heraus, daß Konflikte schneller beigelegt werden können wenn einige einfache Regeln beachtet werden.
Der erste Grundsatz ist z.B. die Trennung von Sache und Person.
Dies soll heißen, daß man durchaus hart in der Sache verhandeln kann, jedoch immer fair zum Gesprächspartner bleiben soll. Emotionen blockieren vernünftige Entscheidungen, wie wir alle wissen. Wer Rache will, handelt nicht mehr rational. Ganz allgemein dürfen also in einer Konfliktverhandlung keine persönlichen Beleidigungen o.ä. stattfinden.

Ein weiteres Kriterium ist, daß man sich auf das  Interesse und nicht auf die Position konzentriert.
Hierzu ein einfaches Beispiel:
Zwei Kinder streiten sich um eine Orange. Als der Vater dazu kommt und sie beide anhört schneidet er die Orange einfach in der Mitte auseinander, gibt jedem Kind die Hälfte und meint, damit eine gute Lösung gefunden zu haben. Er bemerkt dann jedoch, daß beide Kinder keine rechte Freude darüber haben. Erst jetzt fragt er beide Kinder, was sie denn eigentlich mit der Orange wollten. Von der Tochter erfährt er daß sie die ganze Schale für einen Kuchen braucht. Vom Sohn erfährt er, daß dieser Orangensaft pressen wollte.
Die Moral von der Geschicht':
Hätte der Vater sich vorher erkundigt, welches Interesse (Kuchen backen/Orangensaft machen) hinter der Position ("ich will die Orange haben!") steckt, so hätte er eine Lösung finden können die beide Interessen voll befriedigt: Nämlich die Orange nicht zu teilen sondern die Schale dem einen Kind, das Fruchtfleisch dem anderen Kind zu geben. Beide hätten ihre Wünsche dann voll erfüllen können.

Mit einem derartigen Handwerkszeug ausgerüstet versucht ein Mediator in einem Streit zwischen zwei Parteien demzufolge verschiedene Umstände zu klären. Zunächst werden die Spielregeln ausgehandelt, etwa dass keine gegenseitigen Beleidigungen stattfinden etc.
Sodann versucht der Mediator mit speziellen Fragetechniken herauszufinden, was eigentlich die Wurzeln des Streites sind. Hier zeigt sich oftmals der Vorteil gegenüber einem gerichtlichen Verfahren: Man hat Zeit, sich dem Konflikt insgesamt zu nähern und kann z.B. auch emotionale Gründe, die oftmals viel wichtiger als die Rechtssituation sind mit "bearbeiten".

Hat man somit festgestellt, worum es den Beteiligten eigentlich genau geht und Ihre Interessen herausgearbeitet setzt in der nächsten Phase eine kreative Ideensuche ein, bei der Mediator wiederum den Streitparteien hilfreich ist (z.B. mit gewissen Brainstorming-Techniken). Lösungen werden erarbeitet und es wird geprüft, welche Lösungsmöglichkeiten den größtmöglichen Nutzen für alle Beteiligten bieten.
Zum Schluß sollte eine schriftliche Fixierung der Vereinbarung erfolgen, womit dann das Mediationsverfahren abgeschlossen ist.

In der Regel findet ein Mediationsverfahren dadurch statt, daß zunächst die Kontaktaufnahme mit dem Mediator steht. Dieser wird die Parteien darüber beraten was Mediation ist, welche Kosten er für seine Tätigkeit berechnet - hier sind Stundensatzhonorar üblich - und der Mediator wird auch klären, ob die Angelegenheit für eine Mediation überhaupt in Frage kommt.

Entschließt man sich, ein Mediationsverfahren durchzuführen, so ist dies also eine vollkommen freiwillige Angelegenheit von beiden Streitparteien im Gegensatz zu einem gerichtlichen Verfahren. Der Mediator zwingt auch niemanden eine Entscheidung auf, sondern hilft den Streitenden, Lösungen für ihren eigenen Konflikt zu finden. Oftmals gelingt es dabei auch Alternativen zu finden die den Streit viel besser lösen können als ein Gerichtsverfahren das bei vielen Parteien das Gefühl auslöst "Vor Gericht und auf hoher See bin ich in Gottes Hand".

Michael Eitel
Rechtsanwalt
Mediator und Schlichter

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